Riskante Begierde

Riskante Begierde

Es war bereits mein fünfter Abend, an dem ich hinter dem Tresen in der Nostra Bar stand und den Gästen Getränke ausschenkte. Kalter Rauch vom Vorabend stieg mir die Nase empor und ich betrachtete wie sich die Gäste langsam in den Raum begaben. Der Mafiaboss Roger Hill hatte an diesem Abend eine Feier organisiert, um die Geburt seines Sohnes zu feiern. Der erste Sohn nach vier Töchtern. Für Mafiabosse das Grösste überhaupt, wenn ein Nachwuchs entsteht, welcher in die Fussstapfen seines Vaters treten kann. Denn wie ich erfuhr, war den Frauen nicht erlaubt ins Mafia Geschäft einzusteigen. Viel wusste ich nicht über diesen Mafiaboss, da ich noch nicht lange in dieser Stadt lebte. Ich zündete mir eine Zigarette an und betrachtete die Zeitung, die vor mir auf dem Tresen lag. Der 15. Juli 1957, stand in der oberen Ecke der Zeitung. Und mit dicker Schrift, welche fast die ganze Seite füllte stand geschrieben: „Jailhouse Rock – Elvis Presley bald bei uns“. Elvis Presley, ich persönlich fand ihn absolut genial. Seine Musik hat unsere Gesellschaft etwas aufgerüttelt. Der Raum wurde voller und mein Kollege schenkte schon die ersten Getränke ein. Single Malt Whiskey war sehr beliebt bei den Herren. So kam es mir zumindest vor. Ich raffte mich auf und eilte ihm zu Hilfe. „Rock around the Clock“ von Bill Haley and his Comets, dröhnte aus den Boxen und ich ertappte mich dabei, wie ich erfreut dazu pfiff. Langsam gesellten sich auch die Frauen zu den Herren und bestellten ihre Getränke. Dry Martini und Wein, die meistbestellten Getränke der Frauen. Sie alle waren aufgetakelt und trugen sexy Röcke. Hinreissende Petticoats, schön geschminkt und super gestylte Haare. Ich trage nicht gerne Röcke. Im Gegenteil, an diesem Abend trug ich meine engen blauen Jeans, ein weisses Shirt und braune Lederschuhe. Meine Haare waren kurz und meine Frisur glich der von Elvis Presley. Kurz gesagt, man hätte meinen können, ich sei ein Mann, wenn da nicht meine Brüste wären, die mein Shirt auswölben.

Der Abend verlief eigentlich recht ruhig. Die meiste Zeit befanden sich die Leute auf der Tanzfläche und tanzten zu Rock’n’Roll Musik. Ich genehmigte mir ein Glas feinsten Whiskey und zog an meiner Zigarette, als ich Sie erblickte. Wie sie so da stand an der Wand. Mit ihrem schwarzen Petticoat, der mit weissen Punkten geschmückt war. Ihre schwarzen, langen, leicht gelockten Haare sahen wunderbar aus und ihre hellen Augen leuchteten durch die schwarze Schminke, welche diese umrahmten. Das verführerischste an Ihr war jedoch, der rote Lippenstift, der Ihre Lippen überzog. Sie bliess den Rauch ihrer Zigarette aus und ihr Blick wanderte in meine Richtung. Unsere Blicke trafen sich, ich konnte nicht wegsehen. Wie hypnotisiert starrte ich sie an. Ihr Blick fesselte mich und ihre Augen flirteten mit mir. Anfangs dachte ich, dass sie meinte ich sei ein Mann und mir deswegen diese sexy Blicke zuwarf. Doch später als sie sich zu mir gesetzt hatte und wir uns bekannt machten, warf sie mir nur noch mehr solch sexy Blicke zu. Ich verspürte dieses Kribbeln in meiner Bauchgegend, jedes Mal, wenn sie mich so ansah. Wir flirteten die ganze Zeit miteinander und ich hatte nur noch Augen für sie. Viele Getränke, welche sie an diesem Abend bestellte, gingen wie selbstverständlich aufs Haus.

Es war etwa 1 Uhr in der Früh, als ein stämmiger Mann, der etwas furchteinflössend wirkte, auf uns zukam. „Hallo Darling, ich habe dich bereits überall gesucht.“ Er drückte Claire, so hiess meine schöne Bekanntschaft, einen Kuss auf die Wange und drückte sie fest an sich. Der riesige Mann, mit seinem gepflegten Zorro-Schnurbart, wendete seinen Kopf zu mir und starrte mich mit seinen fast schwarzen Augen an. Ich liess meinen Blick beschämt zu Boden gleiten und mein Kribbeln im Bauch wurde nun zu einem schmerzhaften Ziehen. Sie war also vergeben. Vergeben an einen Mann. Enttäuschung und Traurigkeit kamen über mich und ich hasste mich dafür, dass ich mal wieder Pech bei einer Frau hatte. Ich war gefangen in ihrem Bann und malte mir bereits aus, wie es wäre diese schönen roten Lippen zu küssen. Als ich wieder hochsah und in ihre Augen blickte, dachte ich zu sehen, dass sie nicht gerade erfreut darüber war, dass ihr Mann uns störte. Er bestellte sich einen der teuersten Whiskeys in der Bar und prostete von weitem einem Herrn zu, der am anderen Ende der Bar sass.

Um 3 Uhr morgens verliessen die letzten Gäste das Fest. Der stämmige Herr und Claire, meine Schönheit mit den roten Lippen und dem verführerischen Blick standen auf, um sich auf den Heimweg zu machen. „Ich suche noch kurz die Toilette auf, bitte warte draussen auf mich“, sagte Claire zu ihrem Mann und schlenderte in Richtung der Toiletten, ohne mir auf Wiedersehen zu sagen. Enttäuscht spülte ich die letzten Gläser, ich nachhause gehen konnte. Dabei lief der passende Song Bye Bye Love von The Everly Brothers. Plötzlich nahm ich eine Hand auf meinen Schultern wahr. Ich drehte mich um und spürte unerwartet diese weichen, vollen, wunderschönen Lippen auf den meinen. Ich explodierte innerlich fast und schien auf Wolken zu schweben. Wow! Was für ein Gefühl. Sie brachte mich total aus der Fassung und ich fühlte mich wie gelähmt. Als sie sich von mir abwandte, zwinkerte sie mir zu und versprach mir wieder zu kommen. Und dass tat sie auch.

Seit zwei Monaten traf ich mich nun schon heimlich mit Claire. Wir waren total verliebt und konnten nicht voneinander lassen. Ihr Mann wusste von nichts. Er wunderte sich nicht mal, dass seine Frau so viel unterwegs zu sein schien. Nach den drei ersten heimlichen Treffen mit Claire erfuhr ich, dass Ihr Mann der Bruder vom Mafiaboss Roger Hill ist und auch bei der Mafia arbeitete. Dadurch war er auch viel unterwegs und Claire und mir blieb die Zeit uns oft zu treffen und unsere Liebe auszuleben. Durch mich hatte sie erst erkannt, was Liebe wirklich war. Ihren Mann hatte sie nie geliebt. Sie wurde damals zur Heirat gezwungen, da der Vater von Claire, dem Vater von ihrem Mann Bill, etwas schuldig war. Sie erzählte mir damals, wie unglücklich sie wäre und dass sie weit weg wollte von ihm. Sie wollte frei sein und mit mir zusammenleben. Claire war eine sehr intelligente Frau und sie wollte die ganze Welt bereisen. Sie liebte es, wenn ich sie mit meinem Moped an der abgelegenen Strasse in der Nähe ihres grossen Anwesens abholte und wir weit weg ins Grüne fuhren, um allein und ungestört zu sein. Eines Tages kam sie zu mir, mit einem Lächeln, welches sich von der einen bis zur anderen Seite ihres Gesichtes zog. Das schönste Lächeln, das ich in meinem Leben je gesehen hatte. Ihr Mann war vier Tage nicht zuhause. Sie hatte vor, dass ich bei ihr übernachten solle. Sie wollte mich die ganze Zeit an ihrer Seite wissen. Natürlich empfand ich nicht anders. Ich stand um 10 Uhr abends vor ihrem Haus. Wie vereinbart. Sie sagte mir, dass sie zuerst die Hausdiener nachhause schicken muss, da niemand mich sehen sollte. Nicht, dass noch irgendwelche Fragen auftauchten. 4 Tage hat sie ihnen frei gegeben, mit der Begründung, sie wolle ein paar Tage für sich sein. Wie raffiniert sie doch war. Wir verbrachten traumhafte Tage bei ihr. Das Anwesen war riesig. Ich zählte 6 Schlafzimmer, 5 Badezimmer, ein riesigen aussen Pool und eine Küche 3-mal so gross wie meine Wohnung. Das Wohnzimmer war damals das, was ich in diesen Tagen am meisten zu sehen bekam. Ein riesiger Raum, mit dunklem edel Parkett und 3 Sofas vom feinsten Leder. Doch das schönste darin war der Kamin, vor dem wir lagen und uns liebten. Unzählige Male. Wir tranken den besten Wein und ernährten uns von den Speisen, welche die Hausdiener für die Tage vorbereitet hatten. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin, oder mehr wie ein Prinz, der seine Prinzessin bei sich hatte. Zwei Frauen, welche sich so sehr begehrten. Für Andere unvorstellbar, aber bei uns schien es gerade so, als wäre das, das normalste überhaupt. Aber das war es eben nicht. Ganz klar, nach diesen vier Tagen sollte alles wieder wie beim alten sein. Heimliche Treffen und kein öffentliches Händchen haltend oder Küsse austauschen. Es wäre eine Handlung mit fatalen Folgen gewesen. Vor allem für sie, die den Ring vom Bruder des Mafiabosses an ihrer rechten Hand trägt. Ich dachte nicht darüber nach, ich wollte sie einfach nur geniessen. Die ganzen vier Tage, die uns blieben.

Der vierte Monat, indem ich Claire bereits schon heimlich traf und wir uns liebten, war eingetroffen. Ich wurde süchtig nach ihr, süchtig nach ihrem Parfum, nach ihrer weichen Haut und ihrem Körper, der mich jedes Mal zum Kochen brachte, wenn ich ihn berühren durfte. Ihr Mann war mal wieder geschäftlich unterwegs und sie wollte mich unbedingt im Motel treffen, indem wir schon einige Nächte miteinander verbracht hatten. Bill dachte immer, sie wäre an einer Party oder bei ihrer Schwester. Doch sie verbrachte die Zeit mit mir. Und jedes Mal schliefen wir, nackt und befriedigt, aneinander gekuschelt ein. Doch dann kam alles anders… Wir waren gerade dabei unsere Körper mit Küssen zu bedecken, als jemand fest an die Türe klopfte. „Claire! Mach sofort die Tür auf!“, schrie eine tiefe Männerstimme und wir sprangen ruckartig vom Bett hoch. „Schnell, steig aus dem Badezimmerfenster und renn“, flüsterte mir Claire zu und ich stieg mit ach und krach aus dem kleinen schmalen Badezimmerfenster. Es war kalt draussen und ich stand halbnackt mit meinen Kleidern in der Hand in der Dunkelheit hinter dem Motel. Schnell zog ich mir mein Shirt über und rannte in Richtung meines Mopeds. Als ich langsam und vorsichtig um das Häusereck sah, erkannte ich, dass vier Männer von der Mafia Gang von Claires Mann vor der Türe des Zimmers standen, indem Claire und ich uns oft geliebt haben. Vorsichtig schlich ich zu meinem Moped und schob es zu der Strasse. Als ich zurückblickte sah ich, wie Claires Mann sie an den Haaren in das Auto mit den verdunkelten Fenstern zerrte. Durch meine Furcht um Claire blieb ich unachtsam und stolperte über den Gehweg. Ich fiel mitsamt meinem Moped auf den kalten, nassen Asphalt. Bill Hill, der Mann von Claire und seine Gang Mitglieder erblickten mich. „Bleibt sofort stehen, du verdammte scheiss Lesbe“, schrien sie mir nach. Ich sprang vom Boden auf schnappte mir mein Moped und fuhr davon. Sie stiegen in Ihre 2 protzigen schwarzen Autos, welche sie bei sich hatten und verfolgten mich. Die Bäume flogen an mir vorbei, während ich vor der Mafia floh. Verdammt mein Tank ist gleich leer. Ich fuhr in den Wald und stellte mein Moped ab. Ich rannte so schnell ich konnte und hoffte, dass sie mich nicht finden würden. Die Scheinwerfer der Autos schienen immer näher zu kommen. Ich rannte weiter. Ich kam an eine Klippe und konnte nicht mehr weiter. Noch einen Schritt und ich wäre in den Abgrund gestürzt.

Nun stehe ich da und überlege mir, was ich machen kann. Ich muss zurück. Zu spät, die 4 Gehilfen von Bill steht schon vor mir. Mein Herz klopft wie verrückt und ich bin starr vor Angst. Die Männer von Bill umzingeln mich. Da kommt er. Seine Schritte schwer wie Blei und man spürt regelrecht die Wut, welche er in sich trägt. Aggressiv schleppt er Claire hinter sich her. Sie weint. Sie weint bittere Tränen. Nein, meine Liebe Claire, bitte weine nicht. Ich mag es nicht, wenn du traurig bist. Er schreit mich an und auch mir kommen die Tränen. Doch nicht vor Traurigkeit, nein mehr aus Wut. Aus Wut darauf, wie er meiner süssen Claire weh tut. Wie er sie gewaltsam am Oberarm hält. Und jetzt schmeisst er sie unsanft zu Boden und zieht seinen Colt. Hält ihn mir direkt entgegen. Er schreit mich weiter an. Doch ich höre ihm nicht zu. Das Einzige was mich interessiert ist Claire. Ich möchte zu ihr. Will sie in meinen Armen wissen. Ihr die Tränen aus dem Gesicht wischen und ihr sagen, dass alles gut gehen wird. Doch das wird es nicht. Er ist der Bruder des Mafiabosses. Und ich habe seine Frau verführt. Die Frau, die Tabu ist für jedermann und für jede Frau. Ich habe seinen Namen beschmutzt, habe ihn lächerlich gemacht. Eine Frau, die mit seiner Frau geschlafen hat. Das wird er mir nicht durchgehen lassen. Ein Schuss. Ich sinke zu Boden. Ich spüre einen leichten Schmerz in meiner Brust. Ich fühle, wie das Blut aus meiner Wunde tropft. Ich sehe wie Claire zu mir rennt. Sie beugt sich schluchzend über mich und nimmt mich in ihre Arme. Ich werde müde. Nein meine Claire. Weine nicht. Schenke mir noch einmal dein schönes Lächeln. Deine Augen. Sie leuchten heller als die Sterne. Deine Tränen tränken meinen Körper. Das Blut fliesst. Ich werde immer müder. Nein, meine Liebe, weine nicht. Du musst mich gehen lassen. Mir geht es gut. Ich spüre fast keinen Schmerz. Meine Liebste. Ich muss es sagen, habe fast keine Kraft mehr. „Bitte küss mich“. Ich nehme Ihre Lippen auf den meinen wahr. Mach’s gut, meine Prinzessin. Wir werden uns wiedersehen. Ich liebe dich.

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